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<title>Polynja</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Polynja</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr">
<p>Als <b>Polynja</b> (auch <b>Polynya</b>, <b>Polynia</b>) bezeichnet man eine ausgedehnte, relativ beständige, offene Wasserfläche oder dünne Meereisschicht im <a href="Arktis" title="Arktis">arktischen</a> oder <a href="Antarktis" title="Antarktis">antarktischen</a> <a href="Meereis" title="Meereis">Meereis</a>. Sie kann eine Fläche von mehreren Tausend Quadratkilometern erreichen. Der Begriff leitet sich vom <a href="Russische_Sprache" title="Russische Sprache">russischen</a> Wort <span lang="ru-Cyrl" class="Cyrl">полынья</span> [<style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r227981795">
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</style><span class="navigation-not-searchable"><span class="IPA"><a href="Liste_der_IPA-Zeichen" title="Liste der IPA-Zeichen"><span title="Aussprache im Internationalen Phonetischen Alphabet (IPA)" lang="zxx">pʌɫɨˈɲja</span></a></span></span>] ab, das eisfreie Flächen auf beliebigen ansonsten zugefrorenen Gewässern bezeichnet – auch <a href="Wake_(Eisloch)" title="Wake (Eisloch)">Waken</a> auf Flüssen und Binnenseen.
</p><p>Polynjas (<a href="Plural" title="Plural">Plural</a> auch: Polynyas, Polynjen, Polynien) entstehen in der Regel durch Windeinwirkung, <a href="Gezeiten" title="Gezeiten">Gezeiten</a> oder aufsteigendes warmes Meerwasser. Sie können oft über lange Zeiträume, gegebenenfalls über Jahre hinweg bestehen bleiben und sind aufgrund ihrer Einflüsse auf <a href="Meeresstr%C3%B6mung" title="Meeresströmung">Meeresströmungen</a>, <a href="Meeresbiologie" title="Meeresbiologie">Meeresbiologie</a> und <a href="Klima" title="Klima">Klima</a> Gegenstand der <a href="Polarforschung" title="Polarforschung">Polarforschung</a>. Nach ihrem Entstehungsort werden drei Arten von Polynjas unterschieden: Küstenpolynjas (<span lang="en"><i>Coastal</i></span> oder <span lang="en"><i>Shore Polynyas</i></span>), Polynjas, die von <a href="Festeis" title="Festeis">Festeis</a> begrenzt sind (<span lang="en"><i>Flaw Polynyas</i></span>), sowie küstenferne Polynjas (<span lang="en"><i>Open-Ocean Polynyas</i></span>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Küstenpolynjas_(Coastal_oder_Shore_Polynyas)"><span id="K.C3.BCstenpolynjas_.28Coastal_oder_Shore_Polynyas.29"></span>Küstenpolynjas (<i>Coastal</i> oder <i>Shore Polynyas</i>)</h2></div>
<p>Küstenpolynjas entstehen, wenn starke, ablandige <a href="Fallwind" title="Fallwind">Fallwinde</a> vom Festland her neu geformtes Eis von der Küste wegtreiben. Dadurch kommt es zu eisfreien Zonen zwischen dem <a href="Packeis" title="Packeis">Packeis</a> und dem Festlandeis, die 50 bis 100 Kilometer breit sein können. Küstenpolynjas sind so genannte „<a href="Meereis" title="Meereis">Meereis</a>-Fabriken“: Der Wind treibt das Meereis von der Küste weg und setzt das Wasser erneut der kühlenden <a href="Erdatmosph%C3%A4re" title="Erdatmosphäre">Erdatmosphäre</a> aus, bis es gefriert. Das so entstandene Eis treibt der Wind von der Küste weg.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Polynjas,_die_von_Festeis_begrenzt_sind_(Flaw_Polynyas)"><span id="Polynjas.2C_die_von_Festeis_begrenzt_sind_.28Flaw_Polynyas.29"></span>Polynjas, die von Festeis begrenzt sind (<i>Flaw Polynyas</i>)</h2></div>
<p>Polynjas können auch an Festeis entstehen. Sie sind in der Regel windinduziert. Hierbei wird Packeis durch Winde von der Festeisgrenze <a href="Advektion" title="Advektion">advehiert</a>. Dieser Vorgang findet im Winter meist mehrmals wiederholt an den gleichen Stellen in den arktischen <a href="Schelfmeer" class="mw-redirect" title="Schelfmeer">Schelfmeeren</a> statt. Ein Beispiel sind die in der <a href="Laptewsee" title="Laptewsee">Laptewsee</a> vor Nordost-<a href="Sibirien" title="Sibirien">Sibirien</a> auftretenden Polynjas. Aufgrund der zum Arktischen Ozean entscheidend beitragenden Meereisproduktion (das in den Polynjas gebildete Meereis wird mit der <a href="Transpolardrift" class="mw-redirect" title="Transpolardrift">Transpolardrift</a> zum Arktischen Ozean transportiert) sind sie Gegenstand vieler Forschungsprojekte.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Küstenferne_Polynjas_(Open-Ocean-Polynyas)"><span id="K.C3.BCstenferne_Polynjas_.28Open-Ocean-Polynyas.29"></span>Küstenferne Polynjas (<i>Open-Ocean-Polynyas</i>)</h2></div>
<p>Weit entfernt von der Küste entwickeln sich so genannte <i>Open-Ocean-Polynyas</i>. Vermutlich entstehen sie dadurch, dass wärmeres Tiefenwasser durch Erhebungen des Meeresbodens (<a href="Tiefseeberg" title="Tiefseeberg">Seeberge</a>, auch in großen Tiefen) zur Oberfläche hin abgelenkt wird und das Eis von unten her anschmilzt. Die bekannteste küstenferne Polynja im <a href="S%C3%BCdlicher_Ozean" title="Südlicher Ozean">Südlichen Ozean</a> war die Weddell-Polynja, die sich in drei aufeinanderfolgenden Jahren (1974–1976) im <a href="Weddell-Meer" class="mw-redirect" title="Weddell-Meer">Weddell-Meer</a> bildete und deren größte Ausdehnung etwa 1000 auf 350 Kilometer betrug. 2017 konnte die Rückkehr der Weddell-Polynja anhand von Studien des GEOMAR Kiel belegt werden. Polynja von vergleichbarer Größe und Küstenentfernung wurden im <a href="Arktischer_Ozean" title="Arktischer Ozean">Arktischen Ozean</a> lange nicht beobachtet; im August 2006 entstand jedoch eine große Polynja in der <a href="Beaufortsee" title="Beaufortsee">Beaufortsee</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Auswirkungen_und_Bedeutung">Auswirkungen und Bedeutung</h2></div>
<p>Polynjas haben einen beträchtlichen Anteil an der Bildung von kaltem, dichtem <a href="Antarktisches_Bodenwasser" title="Antarktisches Bodenwasser">antarktischen Bodenwasser</a> (AABW), das sich in alle Ozeane als unterste Wasserschicht verteilt. Durch die Abkühlung des Wassers und die ständige Bildung von Meereis – welches nur noch recht wenig Salz enthält – entsteht ein sehr kaltes, salzreiches und somit dichtes Wasser, das in große Tiefen absinkt.
</p><p>In Polynjas ist häufig das Phänomen des „Arktischen Seerauches“ zu beobachten, der vom offenen Wasser in die viel kältere Umgebungsluft aufsteigt. Dies ist ein Zeichen dafür, dass vom Meer viel Wärme in die Atmosphäre abgegeben wird.
</p><p>Zusätzlich zur Bildung von Tiefenwasser haben Polynjas große Bedeutung für die in der Antarktis bzw. Arktis vorkommenden Lebewesen. Löcher im Eis sind essenziell für Säugetiere wie <a href="Robbe" class="mw-redirect" title="Robbe">Robben</a> und <a href="Wale" title="Wale">Wale</a>, die Luft zum Atmen benötigen. Außerdem können hier mikroskopisch kleine Algen (<a href="Phytoplankton" title="Phytoplankton">Phytoplankton</a>) besser wachsen als unter dem Eis, da (im polaren Sommer) mehr Licht vorhanden ist. Von Phytoplankton ernähren sich kleine Krebse (<a href="Krill" title="Krill">Krill</a>, <i>Euphausia superba</i>), die wiederum die Hauptnahrung für Wale und andere Tiere darstellen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Theorie_vom_eisfreien_Nordpolarmeer">Theorie vom eisfreien Nordpolarmeer</h2></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→ </span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Theorie_vom_eisfreien_Nordpolarmeer" title="Theorie vom eisfreien Nordpolarmeer">Theorie vom eisfreien Nordpolarmeer</a></i></div>
<p>Die Beobachtungen von Polynjas durch die Polarforscher <a href="Elisha_Kent_Kane" title="Elisha Kent Kane">Elisha Kent Kane</a>, <a href="Isaac_Israel_Hayes" title="Isaac Israel Hayes">Isaac Israel Hayes</a> und <a href="George_De_Long" class="mw-redirect" title="George De Long">George De Long</a> dürften der Grund gewesen sein, weswegen Wissenschaftler Mitte des 19. Jahrhunderts an eine eisfreie Zone rund um den Nordpol glaubten. Erst die <a href="%C3%96sterreichisch-Ungarische_Nordpolexpedition" title="Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition">Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition</a> 1872–1874 und eine Expedition von <a href="George_Nares" title="George Nares">George Nares</a> (1872–1876) konnten diese These eindeutig widerlegen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Antarktisches_Bodenwasser" title="Antarktisches Bodenwasser">Antarktisches Bodenwasser</a></li>
<li><a href="Folgen_der_globalen_Erw%C3%A4rmung_in_der_Antarktis" title="Folgen der globalen Erwärmung in der Antarktis">Folgen der globalen Erwärmung in der Antarktis</a></li>
<li><a href="Folgen_der_globalen_Erw%C3%A4rmung_in_der_Arktis" title="Folgen der globalen Erwärmung in der Arktis">Folgen der globalen Erwärmung in der Arktis</a></li>
<li><a href="Nordwasser" title="Nordwasser">Nordwasser</a></li>
<li><a href="Nordostwasser" title="Nordostwasser">Nordostwasser</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Igor Appel: <cite class="lang" lang="en" dir="auto" style="font-style:italic">Polynyas</cite>. In: Mark Nuttall (Hrsg.): <cite class="lang" lang="en" dir="auto" style="font-style:italic">Encyclopedia of the Arctic</cite>. Routledge, New York und London 2003, ISBN 1-57958-436-5, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>1678–1680</span> (englisch, <a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=Swr9BTI_2FEC&pg=PA1678#v=onepage">eingeschränkte Vorschau</a> in der Google-Buchsuche).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Polynja&rft.atitle=Polynyas&rft.au=Igor+Appel&rft.btitle=Encyclopedia+of+the+Arctic&rft.date=2003&rft.genre=book&rft.isbn=1579584365&rft.pages=1678-1680&rft.place=New+York+und+London&rft.pub=Routledge" style="display:none"> </span></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
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</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20070930221031/http://www.radiobremen.de/online/polarstern/2003/6_polynien.html">Bericht einer Polynja-Expedition, Radio Bremen</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 30. September 2007 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>)</li>
<li>Thomas Ernsdorf: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.uni-trier.de/fileadmin/fb6/prof/UMW/diplom_diss/Diplomarbeit_Ernsdorf.pdf">Simulation der Dynamik der Laptev-See Polynjen mit dem Meereis-Ozean-Modell FESOM unter Verwendung von In-situ-Daten und globalen Analysen.</a></i> Diplomarbeit an der Universität Trier, Fachbereich VI – Geographie/Geowissenschaften, Umweltmeteorologie, 105 Seiten, 2009 (PDF; 10,8 MB)</li>
<li>R. Timmermann: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20070927191625/http://web.awi-bremerhaven.de/Publications/Tim1997a.pdf"><i>Entstehung und Erhaltung einer Polynja im Weddellmeer.</i></a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 27. September 2007 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>), Diplomarbeit, Universität Bremen, 1996 (PDF; 3,8 MB)</li>
<li><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.meereisportal.de/glossar/Polynja"><i>Polynja.</i></a> im Meereisportal des <a href="Alfred-Wegener-Institut" title="Alfred-Wegener-Institut">Alfred-Wegener-Instituts</a>.<span class="Abrufdatum"> Abgerufen am 14. August 2023</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3APolynja&rft.title=Polynja&rft.description=Polynja&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.meereisportal.de%2Fglossar%2FPolynja"> </span></li></ul>
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<div style="display: table-cell; vertical-align: middle; width: 100%;">
<div>
Normdaten (Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4123965-9">4123965-9</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/sh85104703">sh85104703</a></span> </div>
</div></div></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
Dieser Artikel wurde von <a class="external text" title="Zuletzt bearbeitet am 2025-12-10" href="https://de.wikipedia.org/wiki/?title=Polynja&oldid=262289522">Wikipedia</a> herausgegeben. Der Text ist unter <a class="external text" href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de">Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0</a> verfügbar, sofern nicht anders angegeben. Für die Mediendateien können zusätzliche Bedingungen gelten.
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